1 Tag als Mitarbeiterin des Besucherzentrums am Hamburg Airport

Als wir in den Untergrund einfahren, nutze ich noch schnell das S-Bahn-Fenster als Spiegel, um meine Haare etwas zurecht zu machen, zudem zupfe ich meinen rechten Blusenkragen in Form. Normalerweise fahre ich in bequemen, halbwegs schicken Freizeitklamotten zum Flughafen, heute allerdings, bin ich im Business-Look. Ich schlüpfe nämlich in die Rolle eines Mitarbeiters des Besucherzentrums am Hamburg Airport, darf Lea und Stefan bei ihrer täglichen Arbeit begleiten – und ich bin sehr gespannt.

Ein paar Meter neben dem Hauptgebäude werde ich auch schon von Lea erwartet, wir legen gleich los, in der Früh gibt es schließlich jede Menge zu tun. Zu den Hauptaufgaben der Mitarbeiter des Besucherzentrums gehören die Präsentation der Modellschau und Flughafenrundfahrten. Wer hier teilnehmen möchte, muss sich vorab anmelden. Bevor die Gäste eintreffen, werden die Teilnehmerlisten an verschiedene Kollegen geschickt, etwa an die Busleitstelle und die Personenkontrolle. Alles hat seine Ordnung, wie an allen Flughäfen steht die Sicherheit im Vordergrund. „Ich bin heute eure Praktikantin“, stelle ich mich bei Stefan vor, der mit Lea gemeinsam die Schicht übernimmt. Eifrig binde ich mir ein rotes Tuch um den Hals, es gehört zur Uniform – ich sehe richtig „echt“ aus. Und ruck, zuck habe ich meinen ersten Job. Gleich begrüßen wir eine Schulklasse, alles Jungs, beim Einlass soll ich deren Personalausweis kontrollieren – auf Gültigkeit und ob Ausweis und Besitzer zueinander passen. Geschafft.

Stefan beginnt mit der Präsentation. Mit viel Witz und guter Laune versucht er die etwas müde Truppe aufzuwecken. Die Jungs waren, na klar, am Vorabend auf der Reeperbahn unterwegs. Das Highlight der Hamburg- Woche. Doch jetzt geht es um den Flughafen. Maßstabsgetreu und 500 Mal kleiner ist das ganze Areal hier im Besucherzentrum aufgebaut. Bevor die ersten Miniatur-Flieger starten und landen, erzählt Stefan ein bisschen was über die Geschichte des Airports. 1911 eröffnete er, es war die Zeit, in der noch Zeppeline durch die Lüfte glitten.

Der 49-Jährige bezieht die trägen Teilnehmer in seinen amüsanten Vortrag mit ein, langsam tauen sie auf. Kein Wunder, es ist auch richtig spannend. Man hört das Dröhnen der Triebwerke und wie Pilot und Tower miteinander funken – und fühlt sich dank der vibrierenden Sitze tatsächlich wie im Flugzeug. Richtig cool wird es, als Stefan das Licht ausschaltet. Nun beginnt der Nachtbetrieb, die ganze Anlage verwandelt sich in ein Lichtermeer. Die Modellschau gibt es seit 1959, sie wurde für die Weltausstellung in Wien kreiert. Pro Jahr zählt man satte 40.000 Gäste. “Ein Gefühl des Mittendrinseins” soll die Modellschau vermitteln.

Nach einer halben Stunde spazieren wir gemeinsam zum Flughafenbus, der uns jetzt eine Stunde lang über das Gelände kutschiert. Davor müssen wir zum Sicherheits-Check antreten, ein ähnliches Procedere, wie man es vom Flughafen eben kennt. „Bildet bitte eine Zweierreihe, erst wenn der Vordermann fertig ist, folgt der nächste“, Stefan instruiert die Gruppe. Taschen dürfen nicht mit, sondern müssen in den dortigen Schließfächern verstaut werden. Kameras sind erlaubt. Hochkonzentriert spitze ich die Ohren, denn bei der nächsten Führung ist genau diese Ansage mein Part. Die erste Station unserer Rundfahrt ist die Feuerwehrwache. Wir steigen aus und sehen uns die Fahrzeuge an, eins kostet um die 1,4 Millionen – von einem der rund 80 Mitarbeiter gibt‘s viele weitere Infos.

Die Männer arbeiten dort in Schichten, 365 Tage pro Jahr, regelmäßig finden Übungen statt. Wird Alarm ausgelöst, muss die Truppe in 180 Sekunden zur Stelle sein. Ich kenne diese Information von meinem Einsatz am Frankfurter Flughafen, und dennoch bin ich wieder beeindruckt. Rund 2400 Einsätze werden jährlich hier verübt, rund drei bis vier Einsätze monatlich am Flugzeug, die meisten davon vorsorglich.

Inzwischen sind auch alle Schüler hellwach. Nun geht es weiter. Der Hamburg Airport ist zwar „nur“ der fünftgrößte in Deutschland, gemessen am Passagieraufkommen, das Gelände erscheint mir trotzdem riesig. Ständig starten und landen Flugzeuge, man zählte 2013 zum Beispiel 143.802 Bewegungen. Heute erwarten wir einen ganz besonderen Gast: einen A380, der zwölfte der Lufthansa-Flotte, er wird in knapp einer Stunde auf den Namen Hamburg getauft. Somit wird meine nächste Tour die Sonderrundfahrt zur Flugzeug-Taufe sein. Davor gilt es noch, die Schulklasse zu verabschieden. Die Jungs sind schon putzig. Mir wird bewusst, wie lange meine Teenie-Zeit her ist.

Etwas nervös schiele ich zur Uhr, in Kürze landet der besagte A380, ich möchte natürlich hautnah dabei sein. Petrus scheint sich ebenfalls auf den Super-Airbus zu freuen, denn endlich lässt der Dauerregen nach, ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke. Ich suche mir ein Plätzchen auf der Besucherterrasse, Frau Kolumna, meine Kamera, und ich sind bereit. Und da, endlich, der Riesenvogel schwebt mit wenigen Minuten Verspätung vom Himmel. Schweben, jawohl, ist die richtige Bezeichnung. Nie hätte ich gedacht, dass eine Maschine mit vier Triebwerken so leise, fast lautlos, durch die Lüfte gleitet. Die Maschine rollt mit Hamburg Flagge übers Vorfeld, ich knipse wie wild. Zur Begrüßung erhält der Riesenvogel schon mal die „Wassertaufe”.

Kurz habe ich Pause und verköstige mich mit einer Breze. Und stelle mal wieder fest, dass selbige nur in Bayern schmecken. Viel Zeit zum Schlemmen bliebe mir eh nicht, denn die Pflicht ruft, die Herrschaften zur Sonderrundfahrt sind schon eingetrudelt. Und, meine Güte, jetzt bin ich gefordert. Ich weise die Herrschaften, dieses Mal eine ganz gemischte Gruppe, zum Sicherheits-Check ein. Etwas holzig und mit Verhaspeln klappt das irgendwie, meine Rhetorik hätte noch etwas Potential gehabt…

Fast 90 Minuten kurven wir nun über das Vorfeld, den A380 immer im Blickfeld. Natürlich will es keiner verpassen, wenn der amtierende Bürgermeister Scholz die Schampus-Pulle ans Flugzeug knallt. In der Zwischenzeit beobachten wir die Herren der Gepäckabfertigung, die, wie Stefan mit Augenzwinkern meint, alle Koffer behutsam aus dem Flugzeugbauch hieven. Außerdem kann ich zig Maschinen beobachten, die starten, landen, gesäubert oder betankt werden.

Pünktlich zur Taufzeremonie rollen wir am Täufling vorbei, alles geht ratzfatz vonstatten. Die Teilnehmer sind zufrieden, ich ebenfalls. Bevor ich meinen Arbeitstag am Hamburg Airport beende, treffe ich mich noch mit Katrin auf eine Tasse Kaffee. Sie leitet das, mit ihr, vierköpfige Team des Besucherzentrums. Wir plaudern über den Berufsalltag. Ich erfahre etwa, dass von Dezember bis Januar geschlossen ist, dann finden Renovierungsarbeiten statt. Die Chefin packt gemeinsam mit ihren Mitarbeitern an, das klingt sehr sympathisch. Überhaupt gefällt mir die Atmosphäre. Trotz der professionellen Arbeitsweise ist der Umgangston sehr locker, entspannt, ich habe mich echt wohlgefühlt. Und dass ich wiederkomme, ist klar. Als Passagier – und vielleicht ja auch mal wieder mit rotem Tuch.

Anmerkung: Mein Besuch am Hamburg Airport fand im Juli 2014 statt. Somit beziehen sich alle Angaben aus dem Artikel auch auf diesen Zeitpunkt.

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